Robert Denhof – Ein Komponistenportrait

Robert Denhof

In Deutschland arbeitet mittlerweile eine beachtliche Reihe russlanddeutscher Komponisten und Musiker, die – wenn auch meistens unter schweren Bedingungen – zur Weiterentwicklung der deutschen Musikkultur beitragen.

Zu den renommiertesten und fruchtbarsten russlanddeutschen Komponisten gehört auch Robert Denhof aus Ibbenbühren-Laggenbeck, dessen Werkverzeichnis mittlerweile über 210 Opus-Zahlen enthält.

Geboren direkt nach Kriegsende im Ort Aksu, Gebiet Taldy-Kurgan in Kasachstan, wohin seine Eltern nach Ausbruch des Krieges verschleppt wurden, war der zukünftige Komponist von klein auf allen materiellen Entbehrungen und behördlichen Schikanen ausgesetzt, die das Schicksal der Deutschen im Nachkriegskasachstan ausmachten.

Nach Schulbildung und Musikfachschulstudien in Pavlodar, Kasachstan, studierte er an Musikhochschulen in Rostov am Don, Alma-Ata, Sverdlovsk, Riga, Moskau und Novosibirsk, hier auch an der Aspirantur.

In den Jahren 1968 bis 1989 ist er pädagogisch in Pavlodar, Sverdlovsk, Grosnyj und Alma-Ata tätig; zuletzt als Lehrer für Komposition an einer Musikfachschule und in der Musikpädagogische Institut in Petropavlovsk, Kasachstan. Seit Ende 1989 ist Herr Denhof in Deutschland als freischaffender Komponist, Dirigent, Verleger und Sänger tätig.

Bald nach seiner Übersiedlung wurde er auch Mitglied im »Deutschen Komponisten-Interessenverband« und bei der GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte).

Denhofs Werk umfaßt praktisch alle wichtigsten Formen und Gattungen der Musikkunst. Das Werkverzeichnis enthält Orchester-, Instrumental- und Vokalkompositionen wie auch Bühnenwerke (Ballette). Zu Denhofs wichtigsten Schaffensprinzipien gehört die muikalische Ehrlichkeit, das heißt vor allem keine außermusikalischen Geräusche oder Klangerzeugunsgeräte, keine »künstlich gekünstelte« Klanggebilden.

Sein Standpunkt ist: die Musik muß vor allem musikalisch erlebbar sein. Dies gilt auch bei der Verwendung solcher Kompositionstechniken wie Zwölftontechnik oder Polytonalität, die besonders sorgsam verwendet werden.

Trotz beachtlicher Aktivitäten sowohl auf dem künstlerischen bzw. kompositorischen Gebiet wie auch als Verleger, gestaltete sich der Aufstieg am Anfang schwierig. Lobend äußerte sich der Komponist vor allem gegenüber dem vor einem Jahr verstorbenen Komponisten Albert Polle, der Herrn Denhof nach Kräften unterstützte, in dem er mit dem von ihm organisierten Orchester einige seine Werke eingeübt und bei verschiedenen Gelegenheiten vorgetragen hat.

Zuspruch und Anerkennung bekommt Denhof sogar vom Vorsitzenden des Deutschen Komponisten-Interessenverbandes. Auch das Interesse der deutschen Medien an seiner Musik ist im Wachsen begriffen.

So hat das Orchester des Radio Bremen einige seiner Orchesterkompositionen aufgeführt, mehrere Werke sind auch von WDR gespielt worden. Doch selbst im Ausland scheint das Interesse an Denhofs Musik schneller zu wachsen, als in Deutschland. Besonders gute Kontakte hat der Komponist zu seinen Freunden und ehemaligen Kollegen in Kasachstan, wo selbst bei Konzerten der Jugendmusikschulen Denhofs Werke mit Erfolg aufgeführt werden, was die durchweg positive Kritiken in der örtlichen Presse belegen.

Mit Hilfe dieser Freunde ist es Denhof auch gelungen, hochwertige CDs mit seiner Musik äußerst preisgünstig herzustellen, während in Deutschland eine solche Produktion nach Denhofs Worten »gar nicht zu bezahlen wäre«.

Immer öfter kommen an den Denhof-Verlag Bestellungen seiner Werke, auch aus dem europäischen Ausland, was für eine unabhängige Existenz des Komponisten sehr wichtig ist.

Dr. Alexander Schwab, Köln

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